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    Befragung zur Pflegekammer in NRW

    Pflegekammer NRW

    Befragung zur Pflegekammer in NRW

    ver.dis Kammertöne (04/2017): Informationen zur Pflegekammer in NRW


    NEIN zu Standesvertretung mit Pflichtmitgliedschaft
    JA zu Teamgeist und konsequenter Interessenvertretung

    An alle ver.di – Mitglieder in Krankenhäusern, Altenpflege und psychiatrischen Einrichtungen

    Liebe Kollegin, lieber Kollege,
    wenn Sie in der Pflege arbeiten, betreffen Sie diese Informationen direkt. Wenn Sie in einem anderen Beruf im Krankenhaus, in der Altenpflege oder einer psychiatrischen Einrichtung beschäftigt sind, setzen wir auf Ihre Neugierde und hoffen auf Ihre Unterstützung.

    Die Landesregierung in NRW will eine Standesvertretung für die Pflege errichten – eine Pflegekammer mit Zwangsmitgliedschaft oder eine Pflegevereinigung auf freiwilliger Basis.

    Unsere Erfahrung ist: Standesvertretungen, die nur die Interessen ihres Berufes sehen, tragen wenig zum Miteinander der Berufsgruppen bei. Dieses Miteinander ist aber eine Voraussetzung für gute Pflege und Versorgung. Für uns steht es daher im Mittelpunkt. Auch deshalb begleiten wir die Debatte über eine Standesvertretung mit großer Skepsis.

    Die in ver.di engagierten Pflegekräfte und Beschäftigten haben das Für und Wider zu Pflegekammern intensiv diskutiert und sich eingehend über die Pflegevereinigung informiert. Das Ergebnis unserer Diskussionen ist: Pflege braucht mehr Personal und bessere Arbeitsbedingungen. Doch mit einer Pflegekammer oder einem Pflegering wird das nicht erreicht.

    Ihre Hauptaufgabe wäre es, die Fort- und Weiterbildung zu regeln, um die Bevölkerung vor unsachgemäßer Pflege zu schützen. Wir meinen: Das ist Aufgabe des Staates und sollte es auch bleiben. Und: Warum sollten die Pflegekräfte das bezahlen?

    Worum geht es konkret?

    Die Landesregierung wird im Oktober 1.500 ausgewählte Pflegefachkräfte zum Thema befragen. Pflegehelfer/innen bleiben außen vor.

    Die Befragten haben die Wahl zwischen zwei Modellen: einer Pflegekammer nach dem Vorbild der Standesvertretungen von Ärzt/innen oder Apotheker/innen und einer Pflegevereinigung, wie es sie in Bayern gibt.

    Entscheiden sich die befragten Pflegefachkräfte für die Pflegekammer, müssen alle dreijährig ausgebildeten Alten-, Kranken- und Kinderkrankenpfleger/innen Pflichtmitglied werden und einen Pflichtbeitrag bezahlen. Sprechen Sie sich für den Pflegering aus, kann jede Pflegekraft auch später noch entscheiden, ob sie Mitglied werden will oder nicht. Denn in diesem Modell gibt es weder Pflichtmitgliedschaft noch Pflichtbeiträge. Hier können auch Pflegehelfer/innen Mitglied werden und für Ämter kandidieren – wenn sie wollen.

    Es wird auch gefragt, ob überhaupt eine neue Interessenvertretung gewünscht wird. Über eine Mehrheit, die auf diese Frage „Nein!“ antwortet, würden wir uns freuen. Denn weder Pflegekammer noch Pflegering haben Einfluss auf Arbeitsbedingungen und Bezahlung. Bei Tarifverhandlungen sitzen sie nicht mit am Tisch.

    Gerade in der Pflege ist Fort- und Weiterbildung wichtig. Doch die Verantwortung dafür kann nicht allein den Pflegekräften aufgebürdet werden. Arbeitgeber müssen sie freistellen und die Finanzierung sichern. Doch dazu kann eine Pflegekammer bzw. Pflegevereinigung sie nicht verpflichten.

    Für eine starke Interessenvertretung: die Gewerkschaft ver.di

    ver.di vertritt die Pflegeberufe in fachlichen Fragen gegenüber Verbänden und Politik. Wir setzen uns für Ihre Interessen ein, greifen die Probleme auf und machen sie öffentlich. So haben wir es geschafft, die Überlastung in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen zum breit diskutierten Thema zu machen. Aktuell setzen sich die Beschäftigten der Unikliniken Düsseldorf und Essen für einen Tarifvertrag zur Entlastung ein. So können wir Verbesserungen erreichen – gemeinsam, ohne Standesdenken.

    Besonders gegen die Einrichtung einer Pflegekammer haben wir viele berechtigte Einwände. Dennoch ist klar: Sollten sich die Pflegekräfte in der Befragung dafür entscheiden, werden wir mitarbeiten. ver.di vertritt die Interessen ihrer Mitglieder. Auch in einer Pflegekammer oder Pflegering werden wir unsere Fachkenntnis im Interesse der Beschäftigten einbringen.

    Weitere Hintergrundinformationen liegen diesem Schreiben bei.
    Aktuelle Informationen, Flugblätter zum Herunterladen und vieles mehr finden Sie hier:
    gesundheit-soziales-nrw.verdi.de/themen/nein-zur-pflegekammer
    gesundheit-soziales.verdi.de/themen/pflegekammern

    Wir freuen uns über jede Antwort und Anregung. Wenn Sie nicht selbst in der Pflege arbeiten, wäre es schön, wenn Sie unsere Flugblätter an Kolleginnen und Kollegen aus der Pflege weitergeben.

    Gute Arbeitsbedingungen, eine angemessene Bezahlung und mehr Personal werden wir nur durchsetzen, wenn sich viele dafür engagieren. ver.di bietet dafür viele Möglichkeiten.

    Melden Sie sich gerne, wenn Sie regelmäßig informiert werden wollen: fb3.nrw@verdi.de